Veranstaltungen 2009

Konferenz zu erneuerbaren Energien in Litauen

Kaunas, den 16.April 2009

Kurzbericht von Dr. Hubert Herold

Diese Konferenz wurde unter Schirmherrschaft des Litauischen Außenministeriums durchgeführt, für die organisatorischen Vorbereitung waren das litauisch –deutsche und das deutsch-litauische Forum verantwortlich, Programm und Liste der Sponsoren siehe Anlage.

Herr Simenas, Mitglied des Seimas und Vorsitzender der Umweltausschusses, betonte, dass Litauen in Übereinstimmung mit den von der Europäischen Kommission erarbeiteten Vorgaben zur Nutzung von erneuerbaren Energien ein eigenes Programm zur Nutzung dieser Energien erarbeitet und dabei die Zielvorgaben 20 – 20 – 20 noch überbieten will. Ein entsprechendes litauisches EEG ist unter Zugrundelegung deutscher Erfahrungen in Vorbereitung..

Herr Svedas von dem neu gebildeten Energieministerium erläuterte die Notwendigkeit, dass auch nach 2009 ( nach der Abschaltung des Atomkraftwerkes Ignalina ) elektrischer Strom für die Bevölkerung zu annehmbaren Preisen bereitgestellt werden muss und dabei die Nutzung erneuerbarer Energiequellen einen entscheidende Rolle mitspielen wird.

Frau Dr. Happach Kasan als Vertreterin des Deutschen Bundestages erläuterte die in Deutschland gemachten Erfahrungen , erreichten Ergebnisse und weiteren Zielstellungen.

Herr Janauskas als Vertreter der EU Kommission Litauen – unterstrich, dass vor dem Inkrafttreten der EU Verordnung zur Nutzung der erneuerbaren Energien nunmehr alle MS ihr Ziele bis spätestens 30. Juni 2010 fixieren müssen. Die Vorgaben, bis 2020 auch 2o % des Energieverbrauches aus Erneuerbaren Energien zu gewinnen, schätz er für Litauen als realistisch ein, es kann auch noch mehr erreicht werden.. Von Seiten der EU werden noch flexiblere Regelungen und ein Abbau bürokratischer Hemmnisse in den einzelnen Mitgliedstaaten angestrebt.

Herr Galdauskas von der litauischen Energieversorgungsbehörde informierte über Initiativer zur Gründung einer europaweiten Energieagentur, Name „ Irena „
Der Einsatz von Biokraftstoffen soll sich in LT verdoppeln. Die Aufkaufpreise für elektrischen Strom aus Windkraft ( 30 cnt/ KWh), Wasserkraft ( 26 cnt/KWh) und Kraftwerke, die Biomasse nutzen, mit 30 cnt/KWh, Biogas 8,7 cnt/KWh sind bis Ende 2020 garantiert. Weiter Fördermaßnahmen sind in Arbeit, z.B. ermäßigte Umwelt- und Akzisesteuern.

Herr Dr. Keil von der Crop Energies hob die Vorteile einer Bioethanolproduktion hervor, insbesondere die größere Unabhängigkeit von Erdölimporten, betonte aber auch kritischer Faktoren bei der Herstellung von Bioethanol. So sollten gute Konzepte für die Verwendung der Nebenprodukte , eine breite Rohstoffbasis und optimale Standortbedingungen vorliegen. Er unterstrich, dass die europäische Bioethanolherstellung keine Konkurrenz zur Lebensmittelherstellung bedeutet und einen erheblichen Beitrag zur CO2 Reduzierung leisten kann. Wechselnde politische Rahmenbedingungen für den Absatz von Bioethanol sind jedoch für eine langfristige Planung der Unternehmen sehr nachteilig und schrecken Investoren ab.

Herr Stiomer, Präsident des lit. Biogasverbandes analysierte den Stand der Biogasproduktion in Litauen. Obwohl schon seite 10 Jahren in LT Biogas erzeugt wird, arbeiten bisher nur 5 Biogasanlagen, und nur 2 nutzen tierische Excremente. Jährlich werden derzeit in Litauen 4,1 Mio qm Biogas hergestellt. Hauptschwerpunkt ist z.Z. die Gewinnung von Deponiegas. Es liegen Studien vor, das bei Nutzung der in der Landwirtschaft anfallenden Biomasse die Biogasproduktion um das Zwanzigfache gesteigert werden könnte.

Herr Gegner vom deutschen Biogasfachverband berichtete über die in den letzten Jahren in Deutschland erreichet Fortschritte in der Produktion von Biogas, z.Z. arbeiten in D etwa 4000 Anlagen , bis Ende 2009 werden es voraussichtlich 4800 sein. Mit der Neuauflage des EEG haben sich die Rahmenbedingungen für die Biogasherstellung in D weiter verbessert. Durch die durch den Fachverband durchgeführten Schulungen und Tagungen, herausgegeben Veröffentlichungen und erarbeiteten Standards hat sich auch in der Bevölkerung die Einstellung zu Biogas verbessert. Er vertrat die Ansicht, dass bis zum Jahre 2020 in Deutschland 47 % des Strombedarfes aus erneuerbaren Energien abgedeckt werden kann und damit ein Neubau von Atom- und Kohlekraftwerken nicht erforderlich wäre.

Herr Feist – Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Hannover – vertrat die Ansicht, dass der Zwang zur Umsetzung von Klimaschutzaktivitäten den Energiemarkt grundlegend ändern wird. Sein Ziel, eine Verringerung des CO 2 Ausstoßes im Stadtgebiet Hannover um 40 % bis 2020 zu erreichen, nannte er als realistisch. Besonders beeindruckt waren die Teilnehmer der Tagung von den vorgestellten Möglichkeiten und Beispielen, durch regionale Vernetzung ( Wärme-, Heiz- und Gasleitungen ) ganze Wohn –und Industriegebiete hinsichtlich ihrer Energieversorgung unabhängig zu machen. Das setzt natürlich eine sehr enge Kooperation kommunaler Behörden, von ansässigen Unternehmern und landwirtschaftlichen Betrieben voraus.

Herr Lapinskas gab einen kurzen Überblick über Möglichkeiten der Nutzung erneuerbaren Energien in Litauen. Litauen besitzt ein weit verzweigtes Wärmeversorgungsnetz, es kann Wärmeenergie aus Biokraftanlagen BHKW`s aufnehmen., bürokratische Hemmnisse sind zu beseitigen. Die Notwendigkeit einer verstärkten Nutzung von Biomasse zur Energieversorgung in LT wird von ihm unterstrichen.

Herr Zukas vom litauischen Landwirtschaftsministerium berichtet über die Einsatzmöglichkeiten neuer Energiepflanzen in LT. Es gibt große Potentiale, bis zu 15, 5 der Flächen können für den Anbau von Energiepflanzen genutzt werden, ohne die Nahrungsgüterversorgung zu gefährden.

Herr Dr. Herold stellte eine neue Energiepflanze vor und informierte über Herkunft, Anbauempfehlungen und Kosten. Er hatte 4 Exemplare der neuen Pflanze Silphium perfoliatum aus Deutschland mitgebracht und sie allen Tagungsteilnehmern vorgestellt. Diese Pflanze ist sowohl als Futterpflanze für Rinder als auch als Silage gut zur Biogasgewinnung geeignet, wurde genetisch nicht verändert und hat bisher keine phytosanitären Probleme wie der Mais. Hinsichtlich ihrer Methanausbeute ist sie dem Mais nahezu vergleichbar.

Herr Petreikis vom UAB Vilniaus Energija berichtete über Projekte zur Nutzung von Hausmüll für die Energiegewinnung in Litauen. In LT fallen jährlich rund 1,3 Mio Tonnen Hausmüll an, davon sollen nach Sortierung noch 0,8 Mio Tonnen als biogenes Substrat für die Wärmeversorgung genutzt werden.

Die Herren Sabaliauskas und Dr. Lutz erläuterten rechtliche Regelungen zur Nutzung grüner Energien in Litauen. Auf diesem Gebiet besteht noch Handlungsbedarf. Erfahrungen aus Deutschland – auch negative wie z.B. Überregulierungen – können dabei genutzt werden.

Dieser Kurzbericht gibt nur einen auszugsweißen Überblick über die gehaltenen Vorträge und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Dr. Hubert Herold
Mitglied im Vorstand des Deutsch- Litauischen Forum
ehemals Leiter des Landespflanzenschutzamtes für Sachsen Anhalt


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